Freitag, 28. November 2008

Von Ueberschwemmungen und Ueberfaellen

Es ist gerade eine schwere Zeit fuer die Inder und vor allem ihr geliebtes Bombay, das von den Terroranschlaegen der letzten Tage geschockt ist. Im Fernsehen kann man auf dem Nachrichtensender rund um die Uhr Bilder aus der Millionenstadt sehen. Die Presse scheint dabei genauso wenig informiert zu sein wie die Normalbevoelkerung, so dass sich die Meldungen minutenweise ueberschlagen, nur um gleich wieder dementiert zu werden. Wie ja wahrscheinlich auch in Europa bekannt ist, wurden zwei Luxushotels von den Terroristen eingenommen und am Hauptbahnhof, von dem auch wir vor etwa einem Monat abgefahren sind, in die Menge geschossen. Eine Schiesserei fand ebenfalls in dem sehr beliebten Cafe Leopolds statt, in dem es laut unserer Erfahrung Indiens beste Lassi gibt, und in dem auch wir vor einem Monat unheimlich gern und mehrfach gewesen sind. Es kamen 125 Menschen ums Leben, darunter einige Polizisten und 7 Auslaender. Das ist fuer Indien natuerlich ein Schock. Fakt ist aber auch, dass in diesem Land seit Jahren keine Ruhe in dem Konflikt zwischen Islam und Hinduismus herrscht, und dieser hier ist der dritte Terroranschlag seit unserer Ankunft vor 6 einhalb Wochen: erst Jaipur, dann Assam und jetzt Mumbai. Ende September war ein Anschlag in Delhi. Fast jedes Mal kamen zwischen 50 und 100 Menschen ums Leben. Naechste Woche, am 4. Dezember sind landesweite Wahlen, 2 Tage nach unserem Abflug. Pakistan und Bengladesh sind sehr aktiv, um der Bevoelkerung Angst einzujagen. Aber dieses ist doch nur eines der wenigen Probleme, die das Elend in diesem Land ausmachen.

Wir befinden uns momentan etwa 1500 Kilometer suedoestlich von dieser Szene und haben nur durch die Nachrichten und Eure besorgten Emails von dem Geschehen erfahren. Hier in Mamallapuram, ca 40 Kilometer suedlich von Chennai, beschaeftigt man sich naemlich mit ganz anderen Problemen: Suedindien wird gerade von einem Zyklon heimgesucht, dem vierten seiner Art in den letzten Jahren und dieser Sturm haelt nun schon seit etwa 10 Tagen an und fegt von der Suedspitze nach Nordosten. Wir haben also in der letzten Woche keine Sonne mehr gesehen, die Regenfaelle, die ca 20 Stunden pro Tag andauern, sind so massiv, dass es teils wirklich stundenlang wie aus Eimern schuettet. Ausserdem hat der Sturm viele Schaeden angerichtet. Die Folge ist, dass hier, obwohl der Monsoon laengst vorbei ist, das Land unter Wasser liegt und alles, inklusive Elektrizitaet und fliessend Wasser, immer wieder lahmgelegt wird. Heute sind wir mit dem Bus nach Chennai gefahren, um in der Stadt herumzulaufen und haben nach wenigen Stunden aufgegeben: man watet auf den Strassen durch bis zu knietiefes Wasser, alles ist nass, Keller ueberflutet, die gesamte Busstation, an der wir ankamen, war ein Riesensee. Leider haben die Inder kein wirkliches Konzept, um mit den Ueberschwemmungen umzugehen: alles geht halt einfach so weiter, solange, wies geht, und danach geht eben nix mehr. Von Stegen keine Spur, Pumpen haben wir nicht gesehen, kein einziger Feuerwehrmann, die Gullis werden mit der Hand ausgeraeumt und Schulen und Kliniken werden geschlossen. Man fragt sich wirklich, wie es hier zu Monsoonzeiten aussehen muss. Die Inder sind schmerzfrei und waten mit ihren Flipflops und teils sogar barfuss in dem Regenwasser herum, das den Dreck der gesamten Stadt enthaelt und bestialisch stinkt. Am schlimmsten trifft es natuerlich auch hier wieder einmal die alleraermsten: als wir heute mit unseren dicken Einkaufstaschen im Bus zurueck nach Mamallapuram sassen, fuhren wir an einem in einer Pfuetze am Strassenrand liegenden Bettler vorbei. Er hatte nur noch ein verkrueppeltes Bein und lag mit dem Gesicht im Wasser. Wir ueberquerten die Bruecke ueber den Fluss in Chennai, an dessen Ufern sich die Slums entlangreihen: die Huetten von wahrscheinlich tausenden von Menschen waren bis unters Dach ueberflutet. Einige sassen auf ihren Daechern, wo die anderen geblieben sind, bleibt fuer uns ungeklaert.

Hier nun ein paar Fotos von unseren Eindruecken in den letzten Tagen:





Bilder aus dem indischen CNN: Mumbai under attack und es herrscht keine Klarheit darueber, ob die Nariman Operation vorueber ist oder nicht (heute).


In Pondicherry hatte der Sturm einige Dachziegel fliegen lassen und auch einige Baeume umgeworfen, wie man hier sieht.

Die Strassen heute in Chennai: hier ist das Wasser noch niedrig, an anderen Stellen war es bis zu knietief.


Der Busstand heute in Chennai: die Inder waten barfuss und in Flipflops durch das Wasser, wir sprangen von einer "Insel" von der Strasse auf den fahrenden Bus, weil der gesamte Busstand unter Wasser stand.


Blick von der Bruecke aus: Chennais Slums unter Wasser. Die Bewohner sitzen auf der Mauer links oben im Bild.


Na, dieses indische Paerchen hatte sich seinen Wochenendausflug wohl auch trockener vorgestellt...


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