Montag, 17. November 2008

Ueber Schlagloecher, Hitzewellen und Nachtschweiss

Von Hampi aus nahmen wir den schnellsten Zug nach Hubli - 4 Stunden fuer 150 Kilometer- in dem man sich, wie uns versichert wurde, keinen Platz buchen braeuchte, da sei genug zum Sitzen da. Tatsaechlich hatten wir dann auch erste Klasse Sitzplaetze auf der Gepaeckablage ueber den Koepfen von ca. 50 verwunderten Indern, die sich unter uns auf den rammelvollen Holzbaenken quetschten. Die Fahrt im Nachtzug nach Mysore war dann wieder vergleichsweise angenehm, leider brachte die Klimaanlage uns jedoch unsere zweite Erkaeltung hier in Indien ein - das entbehrt ja nicht einer gewissen Ironie im tropisch-heissen Wunderland der E.coli und Cholera-Infektionen. Wer lachte eigentlich nochmal, als ich vor der Reise Nasentropfen eingesteckt habe...? Ok, keine Namen ;-)

Die Inder in Mysore lernten dann, dass Europaeer ein Problem mit Reinlichkeit und Koerperdueften haben, als Miriam und ich uns mit einem derart enormen Vorrat an Seifen und Oelen eindeckten, dass wir selbst am Ende des Tages gar nicht mehr wussten warum. Naja, aber dies spricht mal wieder fuer die Ueberzeugungskraft indischer Haendler, wie uns Stefan, ein Deutscher aus Berlin, den wir trafen, schon warnte: "Sie werden Euch so wahnsinnig viele Gruende nennen, warum Ihr das jetzt unbedingt kaufen muesst, wieso es absolut notwendig ist und Ihr werdet Euch fragen wie Ihr ueberhaupt bisher ohne das leben konntet und Ihr werdet es kaufen! Alles!" Und so war es. Herrlich.

Von Mysore wollten wir auf schnellstem Wege nach Cochin. "Kein Problem!" sagte uns ein Mitarbeiter des Reiseunternehmens Odyssee. Der Name haette uns misstrauisch machen koennen, machte er auch, aber da waren auch schon die Tickets gekauft. Und schon befanden wir uns auf dem abartigsten Himmelfahrtskommando unseres Lebens im 10-stuendigen Nachtbus auf den hintersten Liegen im ca. 20 jahre alten TATA Bus mit kaputten Stossdaempfern und ca. 50000000 Schlagloechern auf der Strecke. Noch nie sind wir in Indien so schnell gefahren. Noch nie haben wir so eine lange Massage erhalten. Noch nie sind wir so viel im Liegen gehuepft. Und noch nie haben wir soviel gelacht. Es war die schrecklichste, anstrengenste, witzigste Busfahrt unseres Lebens in konstanter Todesangst.

Und dann Fort Cochin: Noch nie in unserem Leben haben wir soviel geschwitzt. Fort Cochin hat das unertraeglichste Klima, das unsere westeuropaeischen Koerper je erlebt haben. Die Temperaturen sind schon morgens um 10 bei ca. 30 Grad und drueber und das bleibt auch so bis abends um sechs. Um zehn, also jetzt, ist man dann so ca. bei 28 Grad, also richtig angenehm kuehl. Die Luft ist ausserdem feucht, nass koennte man sogar sagen, man hat eigentlich nie das Gefuehl, wirklich trocken zu sein: weder wenn man morgens im Nachtschweiss erwacht, noch nach dem "Abtrocknen" nach der kalten Dusche, unter der man am liebsten den ganzen Tag bleiben wuerde, noch wenn man dann unter schattigen Baeumen sitzt und trotzdem schwitzt. Gestern machten wir den Fehler, in der Mittagshitze einen "lockeren" Stadtspaziergang in das nette kleine Fischerdorf zu wagen. Nach einer halben Stunde waren wir derartig schweissueberstroemt dass wir das Gefuehl hatten, Pfuetzen unter uns zu hinterlassen. Ein Koenigreich fuer ein bisschen Schnee, einen klitzekleinen Weihnachtsmarkt und einen guten Gluehwein in den froststarren Haenden!!! Nur fuer eine Minute!



3 Kommentare:

shnaxe hat gesagt…

schöner bericht!
jaja ... froststarre hände ... da gehts ja wohl mal wieder eher um den glühwein frau doktor!
aber ich kann euch beruhigen, die bauen das ganze hüttengedöns schon auf und am 28. gehts dann los. bin sicher dass es dann keine plötzliche hitzewelle geben wird und auch noch etwas glühwein für euch da sein wird.
das bringt mich zu der frage wann ihr eigentlich wieder kommt? halbzeit müsst jetzt dann mal so sein wenn mich nicht alles täuscht?

Anonym hat gesagt…

http://www.basis-projects.de/

Hi Ihr Zwei,

vielen DANK für die interessanten Berichte. Falls ihr in der Nähe von Kottayam seid: vielleicht wollt ihr mal im Projekt vorbeischauen. Dort habe ich 1998 ein Praktikum gemacht. Supernett dort. Vielleicht interessiert es euch ja.

liebe Grüße und alles Gute für Eure Zeit in Indien

Mathias

Paul hat gesagt…

Schon wieder gute Geschichten und die Bilder sind immer wunderhübsch!

Der zweit letztes Bild .... ist das ein Pirat??? ARRRRRRRRRRR!

Küsse,

Paul